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Deutsche Autobauer wieder auf dem Vormarsch

Juli 9th, 2010 · No Comments

Im vergangenen Jahr war die größte Krise aller Zeiten für deutsche Autobauer angebrochen und in diesen Tagen kann man wieder von einem regelrechten Boom hören. Weder die Autobauer selbst, noch die Branchenexperten hatten damit gerechnet, dass eine solch schnelle Erholung eintreten würde. Dabei sind es aber weniger die inländischen Bestellungen, die die Autobauer aus der Krise befreien, sondern vielmehr erholt sich das Exportgeschäft sehr stark.

Der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, kurz VDA, Matthias Wissmann bestätigte diese Entwicklungen. Die Exporte deutscher Autos sind alleine im ersten Halbjahr 2010 um 44 Prozent angestiegen, so dass 4,15 Millionen Autos exportiert wurden. Das entspricht einem Plus von gut einem Fünftel. Doch schon seit vergangenem Jahr legen die Bestellungen aus dem Ausland stetig zu, im ersten Halbjahr um satte 28 Prozent. Spitzenreiter bei den Bestellern sind die USA und China.

Extraschichten und Verkürzung der Werksferien

Indes sind die deutschen Autobauer überfordert, sie können die zahlreichen Bestellungen kaum noch abarbeiten. BMW-Sprecher bestätigten dies und verhandeln derzeit mit dem Betriebsrat, um Möglichkeiten zur Erhöhung der Kapazitäten auszuloten. Die Werksferien sollen in Dingolfing, Leipzig und München verkürzt werden. Sogar zwischen Weihnachten und Neujahr soll man bei BMW arbeiten. Insbesondere die Nachfrage nach dem neuen 5er, dem X1 und dem Dreier sei kräftig angestiegen, heißt es.

Ebenfalls gibt es positive Meldungen von Opel. An den Sonnabenden wird mittlerweile in fünf europäischen Werken eine Zusatzschicht gefahren. Insbesondere die Nachfrage nach dem Astra, dem Meriva und Insignia ist seit Mai erheblich angestiegen. Durch die Zusatzschichten können zusätzlich 400 Autos gebaut werden, in einer Schicht.

Daimler ist ebenfalls vom Boom betroffen und fährt Sonderschichten. Zusätzlich will man die Werksferien auch in Untertürkheim streichen. Weitere Standorte sollen im Sommer ebenfalls nicht geschlossen werden.

Verblüffung bei Experten und Branche groß

Der Leiter des Center oft Automotive Management, Stefan Bratzel, bestätigte indes, dass die rasante positive Entwicklung sehr überraschend kam. Auch die Zurückhaltung der deutschen Autokäufer im ersten Jahr nach der Abwrackprämie falle demnach kaum mehr ins Gewicht. Zusätzlich hätten die deutschen Autobauer die Kosten für die Herstellung massiv gesenkt. Auch der schwache Euro macht sich bemerkbar und steigert die Chancen, aber genauso die Gewinne der Branche.

Noch im Winter 2008 war heftig darüber diskutiert worden, ob unter Kostengesichtspunkten die Budgets für Forschungsarbeit gekürzt und die Stammbelegschaften abgebaut werden sollten. Obwohl der Präsident des VDA, Wissmann, skeptisch war, ob die Unternehmen gerade diese schädlichen Schritte nicht doch gingen, ließen sie es bleiben und das war auch gut so.

Weitere positive Entwicklungen zu erwarten

Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Center Automotive Research an der Uni Duisburg-Essen bestätigt, dass die Absatzzahlen in diesem Jahr voraussichtlich bei 57 Millionen Fahrzeugen liegen werden. Das entspräche einem Zuwachs um acht Prozent gegenüber dem Vorjahr. Vorrangig machen Experten das China-Geschäft für die positiven Entwicklungen verantwortlich. Neben der S-Klasse von Mercedes-Benz, dem 7er BMW oder dem VW Phaeton überzeugt dort auch der Audi A8. Kaum anderswo werden diese Fahrzeuge so gut verkauft, wie auf dem chinesischen Markt. Alleine BMW konnte seinen Absatz in China im ersten Halbjahr 2010 verdoppeln und auch Audi will wenigstens 200.000 Fahrzeuge verkaufen. Das Ziel soll sogar früher erreicht werden, als ursprünglich geplant.

Dennoch bleiben die deutschen Autobauer auf dem Teppich. Unsicherheiten werden sicher noch in der zweiten Jahreshälfte auf viele der Unternehmen warten. Hinzu kommen die massiven Einbrüche am deutschen Markt, alleine in den ersten sechs Monaten dieses Jahres sank sie um 29 Prozent. Insgesamt wird für 2010 mit Neuzulassungen gerechnet, die weit über eine Million unter den Werten des vergangenen Jahres liegen. Ebenso ist die Unsicherheit bei den Kosten für Rohstoffe und den Wechselkursen nicht zu unterschätzen, wissen die Experten der Branche.